Vor 1 Tagen

Anders zur Arbeit kommen

Man könnte meinen, dass die Mitarbeitenden eines Fahrradherstellers natürlich mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Doch die Realität sieht etwas anders aus.

Selbst bei Orbea, wo wir jeden Tag mit Fahrrädern zu tun haben, ändern wir die Pendel-Gewohnheiten nicht mal eben so. Unser Hauptsitz in Mallabia liegt in einem von Bergen umgebenen Tal, und unsere Mitarbeitenden kommen täglich aus verschiedenen Teilen des Baskenlandes. Deshalb nehmen viele das Auto für den Arbeitsweg.

Unsere Philosophie von urbaner Mobilität, „Ride. Connect. Transform.“, basiert auf der Überzeugung, dass das Fahrrad mehr kann, als uns nur von A nach B zu bringen. Es kann Menschen zusammenführen und unsere Gemeinschaften positiv verändern.

Wir wissen aber auch, dass Radfahren im Alltag nicht immer problemlos möglich ist. Statt von unseren Mitarbeitenden einfach zu verlangen, ihre Gewohnheiten zu ändern, möchten wir, dass sie selbst erleben, wie der Arbeitsweg mit dem Fahrrad aussehen könnte.

Ride. Den Einstieg erleichtern

Am 15. Oktober, einem Dienstag, haben sich Orbea-Mitarbeitende im nahen Durango getroffen, um gemeinsam zum Unternehmen in Mallabia zu radeln.

Die Idee dahinter war einfach: die Möglichkeit eröffnen, probehalber mit dem Fahrrad in die Arbeit zu kommen, ohne den Druck, das permanent tun oder Fahrraderfahrung haben zu müssen. Mit Ride machen wir das Fahrrad zu einer realistischen Option und ermöglichen es den Menschen, es selbst auszuprobieren.

Um die Hemmschwelle zu reduzieren, das Fahrrad für den Arbeitsweg zu nehmen und unsere Mitarbeitenden zum Ausprobieren zu ermutigen, stellten wir eine Auswahl an Orbea Urban- und Active-E-Bikes zur Verfügung. Diese Fahrräder sind für den Alltag konzipiert und bieten elektrische Unterstützung, die besonders auf einer hügeligen Strecke wie dieser einen großen Unterschied machen kann. So lässt sich der Arbeitsweg in einem angenehmen Tempo zurücklegen, ohne erschöpft im Büro anzukommen oder sich umziehen zu müssen. Integrierte Beleuchtung sorgt für bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr und man braucht sich vor dem Losfahren nicht darum zu kümmern. Auf dem Gepäckträger lässt sich flexibel alles transportieren, was man im Laufe des Tages benötigt. Für Menschen, die bisher nie in Erwägung gezogen haben, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, können diese praktischen Features ein Anstoß sein, einmal darüber nachzudenken.

Einige Mitarbeitende fuhren mit ihren eigenen Fahrrädern von unterschiedlichen Ausgangspunkten los und trafen sich am Werk mit der Gruppe, um gemeinsam in den Arbeitstag zu starten.

„Ich bin schon mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, aber noch nie mit einem E-Bike. Das war großartig: Man muss weder duschen noch Wechselkleidung mitnehmen. Genau das hatte mich bisher davon abgehalten. Besonders gut gefallen hat mir – und das kannte ich vorher nicht –, dass E-Bikes eine integrierte Beleuchtung haben. Man muss sich also keine Gedanken darüber machen, die Lampen anzubringen, aufzuladen oder wieder abzunehmen.“
— Adrian Sainz Murgoitio

Connect. Sicher gemeinsam unterwegs

Für viele ist nicht die körperliche Anstrengung das größte Hindernis, um für den Arbeitsweg auf das Fahrrad umzusatteln. Sie mögen vielmehr die Vorstellung nicht, sich die Straße mit dem motorisierten Berufsverkehr teilen zu müssen.

Genau das war in der Gruppe anders. Unser Mitarbeitenden-Konvoi war im Straßenverkehr besser sichtbar und die Gruppe vermittelte den Einzelnen ein Gefühl von Sicherheit. Zudem lernten sie eine Strecke kennen, auf der kaum Verkehr herrscht.

Was allein vielleicht einschüchternd gewesen wäre, wurde gemeinsam deutlich einfacher. Genau das bedeutet Connect in der Praxis: Menschen durch das Radfahren zusammenzubringen und die Voraussetzungen zu schaffen, um sich an Neues heranzutrauen. Wir nannten die Initiative „Elkarrekin Bidean“ – „Gemeinsam unterwegs“. Darin spiegelt sich auch eine Überzeugung wider, die tief in unserer Identität als Genossenschaft verwurzelt ist: Gemeinsam können wir mehr erreichen. In diesem Fall bedeutete das, den Arbeitsweg mit dem Fahrrad für alle zugänglicher zu machen.

„Wenn man so gemeinsam unterwegs ist, fühlt es sich nicht einfach nur wie der Weg zur Arbeit an. Außerdem haben wir eine Strecke gewählt, auf der wir kaum auf Straßen mit Autoverkehr fahren mussten. Abgesehen von ein paar wenigen Momenten habe ich mich durch Autos überhaupt nicht unter Druck gesetzt gefühlt.“
— Josu Arana

Transform. Ein Morgen, eine neue Perspektive

Als alle in Mallabia angekommen waren, standen auf unserem Firmengelände 20 Autos weniger. Das ist ein erfreuliches Ergebnis, doch wichtiger als die freien Parkplätze war die Möglichkeit für unsere Mitarbeitenden, ihren gewohnten Arbeitsweg ganz anders zurückzulegen.

Für einige war es die erste Fahrt mit einem E-Bike zur Arbeit. Andere stellten fest, dass sich dieselbe Strecke in der Gruppe ganz anders anfühlt.

Natürlich lassen sich nicht alle Hindernisse für den Arbeitsweg mit dem Fahrrad an einem einzigen Morgen beseitigen. Nicht alle wohnen in radtauglicher Entfernung und es gibt nicht immer geeignete Strecken. Hinzu kommen die besonderen Anforderungen eines Produktionsbetriebs, in dem Schichtzeiten das Pendeln mit dem Fahrrad zusätzlich erschweren können. Dennoch können solche Erfahrungen dazu beitragen, bisherige Annahmen davon, was möglich ist, zu hinterfragen.

Manchmal besteht der erste Schritt dahin, eine Gewohnheit zu verändern, schlicht in der Gelegenheit, etwas Neues ausprobieren zu können.

„Das war wunderbar. So wunderbar, dass ich darüber nachdenke, mir demnächst ein Carpe zu kaufen. Ich habe festgestellt, dass ich sicher und ohne allzu große Anstrengung ins Büro kommen kann. Das eröffnet mir die Möglichkeit, meinen Arbeitsweg deutlich nachhaltiger zurückzulegen. Ich überlege jetzt ernsthaft, häufiger mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.“
— Naia Unzueta

Radfahren im Alltag zugänglicher machen

Wir sind überzeugt, dass Fahrräder nicht nur im Sport eine Rolle spielen. Sie können verändern, wie wir uns fortbewegen und Alltagsstrecken erleben. Damit das Fahrrad als Verkehrsmittel für mehr Menschen infrage kommt, müssen wir aber verstehen, was sie daran hindert, es zu benutzen, anstatt davon auszugehen, dass alle schon irgendwann auf das Auto verzichten werden, wenn man nur lange genug darauf besteht.

Unser Fahrradkonvoi war nur eine von vielen Maßnahmen, um das Fahrrad zu fördern. Über die Orbea Foundation arbeiten wir mit Organisationen wie Olatu Berdea zusammen, um die lokalen Bedürfnisse im Hinblick auf Mobilität besser zu verstehen und praktikable Lösungen zu entwickeln. Studien und Umfragen helfen uns dabei, die Herausforderungen zu erkennen. Auch wenn wir noch nicht auf alles eine Antwort haben, arbeiten wir an Lösungen, die im Alltag tatsächlich funktionieren.

Was für unsere Mitarbeitenden funktioniert, könnte auch für andere Beschäftigte im umliegenden Industriegebiet funktionieren. Indem wir nicht nur auf unser eigenes Unternehmen schauen, möchten wir einen tiefgreifenden Wandel hin zum nachhaltigen und zugänglichen Pendeln per Bike anregen.

Solche Initiativen wirken sich nicht nur auf einzelne Arbeitswege aus. Wenn das Fahrrad als praktikable Möglichkeit fürs Pendeln präsenter wird und bisherige Annahmen darüber, was möglich ist, hinterfragt werden, können wir dazu beitragen, es zu einer echten Option für mehr Menschen zu machen.