Warum Scheibenbremsen für Straßenrennräder die Lösung sind

Die Einführung der hydraulischen Scheibenbremse für Straßenrennräder ist eine wahre Revolution für das Peloton. Viele von uns hatten schon lange darauf gewartet, in unseren Rennrädern die Vorteile einzubauen, die unsere Freunde unter den Mountainbikefahrern schon seit Jahren genießen durften, und jetzt, nach mehren Monaten und vielen Kilometern mit den Scheibenbremsen, können wir nur bestätigen, dass diese Technik objektiv gesehen auch für den Asphalt die beste Lösung darstellt.

Stell dir vor, du fährst von einem Bergpass herunter, den du gut kennst, weil du hier schon oft gewesen bist. Du weißt genau, wo du bremsen musst, und wie du dich in jede dieser so sehr geliebten Haarnadelkurven legen musst. Und jetzt stell dir auch vor, du kannst viel später anfangen zu bremsen, mit mehr Gefühl und mit allmählicher Steigerung, ohne Angst haben zu müssen, dass nach einer langen Geraden die Bremsen an Kraft verlieren oder heißlaufen.

Scheibenbremsen sind stärker und unkomplizierter, bieten mit mehr Progression und reagieren bei allen Wetterverhältnissen immer gleich. Diese Vorteile sind objektiv und unbestreitbar und schon deshalb mehr als eine Rechtfertigung ihrer Existenz:

1) Mehr Bremskraft: Die Entfernungen werden kürzer. Aufgrund einer viel höheren Bremskraft im Vergleich zu herkömmlichen Bremsschuhen eröffnen die hydraulischen Scheibenbremsen die Möglichkeit, in schwierigen Situationen bis zu 40 % schneller zu bremsen. Nach verschiedenen Tests sind alle Marken zu diesen gleichen Ergebnissen gekommen.

Auch auf dem Asphalt können wir nach eigenen Erfahrungen nur bestätigen, dass die Bremskraft einfach höher ist: besonders, wenn wir dazu 25er oder 28er Reifen verwenden. Diese Art der Reifen, die im Peloton am meisten verwendet werden, ermöglicht es uns, mit weniger Reifendruck zu fahren, um beim Bremsen eine bessere Haftung der Reifen auf dem Asphalt zu erreichen.

Mehr Kraft bedeutet darüber hinaus weniger Angespanntheit und weniger Ermüdung des Fahrers, denn wir brauchen für das Bremsen in jeder beliebigen Situation weniger Anstrengung.

Bestimmt haben wir mit herkömmlichen Bremsen irgendwann einmal Probleme gehabt, bei hoher Geschwindigkeit das Rad anzuhalten. Die Überhitzung der Felge oder des Bremsschuhs oder auch einfach nur unser eigenes Körpergewicht können dazu führen, dass wir die Bremshebel besonders stark ziehen müssen, um die Geschwindigkeit vor einer Kurve ausreichend zu senken.

Diese aufgestaute Angespanntheit in den Händen, zusammen mit der Spannung im Oberkörper, um das Eigengewicht aufgrund des Schwungs beim Bremsen auszuhalten, kann dazu führen, dass wir die Kontrolle über das Rad verlieren, vor allem, wenn wir schon lange unterwegs und daher müde sind.

Mit einer Scheibenbremse wird diese Spannung entscheidend verringert, denn ihre Bremskraft ermöglicht uns, mit geringerer Anstrengung zu bremsen und den Oberkörper zu entspannen. Und nicht nur das, denn darüber hinaus führen die geringere Anstrengung und die leichtere Handhabung zu einer Energieersparnis: eine Energie, die wir anstatt zum Bremsen zum In-die-Pedale-treten verwenden können.

Außerdem haben die jüngsten Verbesserungen bei den Scheibenbremsen dazu geführt, die Bremskraft besser zu modulieren, indem Bremsflüssigkeiten mit unterschiedlicher Viskosität, Bremsbeläge mit verschiedenen Zusammensetzungen und bessere Abstimmungen zwischen Kolben und Pumpen eingesetzt werden. Dies alles führt zu einer progressiven Bremsung, ohne auf Bremskraft verzichten zu müssen.

2) Mehr Kontrolle: Das Gefühl beim Ziehen der Scheibenbremsen ist sanfter und allmählicher im Vergleich zur Klotzbremse. Du brauchst nur wenige Kilometer zu fahren, um zu merken, dass du die Bremse bei weniger Anstrengung besser dosieren kannst, sodass der Vorgang nicht mehr so ruckartig abläuft und die Fahrt bei jeder Geschwindigkeit sanfter wird.

Die Klotzbremse bot die Möglichkeit, verschiedene Materialien für den Bremsschuh einzusetzen, die ein mehr oder weniger progressives Bremsen zuließen, aber es war praktisch unmöglich, die Genauigkeit der heutigen Scheibenbremsen zu erzielen. Die neuen Modelle reagieren besser auf unsere Befehle, denn obwohl wir den Vorgang auf Wunsch kontrollieren und abstufen können, haben wir doch auch die Möglichkeit, das Rad ganz zu blockieren, aber eben ohne zu fest zudrücken zu müssen.

3) Mehr Sicherheit: Einer der größten Nachteile der herkömmlichen Klotzbremsen war die Minderung der Bremskraft bei Feuchtigkeit, Regen und Überhitzung der Felgen bei langen Abfahrten. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Die Scheibenbremsen machen diesen Nachteilen für immer ein Ende, denn sie bieten bei allen Wetterverhältnissen und allen Abfahrten die gleiche Leistung und die gleiche Modulation. Wenn du auf einer Abfahrt in einen Schauer gerätst, musst du ab jetzt nur noch an deine Gesundheit denken, aber nicht mehr an die Sicherheit der Bremsen.

Dieser Vorteil kommt offensichtlich jedem Radfahrer zugute, aber besonders dankbar werden die Fahrer mit einem PRO-Profil sein, denn das voraussehbare Verhalten der neuen Bremsen verleiht ihnen eine Sicherheit, die sogar eine noch geringe Erfahrung auf dem Sattel ausgleichen kann.

Ebenso vorteilhaft sind diese Eigenschaften für besonders große und schwere Fahrer oder für Fahrradreisende, die mit ihren Rucksäcken und Satteltaschen das Gewicht ihres Rades fast verdoppeln. Die erhöhte Bremskraft der Scheibenbremsen erleichtern das Anhalten des Rades bei geringerem Krafteinsatz, ohne an das Problem der Überhitzung der Felgen und Bremsschuhe denken zu müssen.

Das sind die drei offensichtlichsten Vorteile der Scheibenbremsen auf der Straße. Im Folgenden werden wir die restlichen Aspekte der Fahrerfahrung ansprechen, bei denen die Bremsen eine Rolle spielen:

1) Gewicht

Zur Zeit beträgt das Gesamtgewicht der Klotzbremsen noch 300 bis 400 Gramm weniger als das der Scheibenbremsen. Dieser Unterschied wird jedoch laufend geringer, und bestimmt hast du schon gehört, dass er in den kommenden Jahren aufgrund besserer Designs und Materialien wahrscheinlich ganz verschwinden wird.

Es liegt auf der Hand, dass das Gewicht ein wichtiger Faktor ist, denn sowohl die Hersteller als auch die Radfahrer sind geradezu davon besessen, aber wie wahr ist das eigentlich? Wenn du in der Gruppe einen Bergpass hinauffährst, glaubst du wirklich, dass du mit 300 oder 400 Gramm weniger schneller sein würdest? Und selbst wenn das so wäre, findest du nicht, dass die kontrollierbareren, stärkeren und sichereren Bremsen wichtiger sind als das geringe Zusatzgewicht?

Aber abgesehen davon, wenn wir nur auf die Leistung achten, kann es schon sein, dass das Gewicht beim Anstieg ein Nachteil ist. Aber denke jetzt an die Abfahrt: Denke daran, dass du dank der Scheibenbremsen in jeder Kurve später anfangen kannst zu bremsen und somit jedes Mal ein oder zwei Sekunden gewinnen kannst. Was ist jetzt für die Gesamtleistung wichtiger? Das Endergebnis sieht so aus: Deine Gefährten ohne Scheibenbremsen werden bei jeder Abfahrt ein größeres Risiko eingehen müssen, um an dir dran zu bleiben. Aber das ist gar nicht der Punkt; der Punkt ist, dass deutlich wird, dass die Scheibenbremsen mehr und besser bremsen.

Und ein letzter Kommentar: Es ist nicht zu vergessen, dass die Gewichtsverteilung am Rad für die Gesamtheit von großer Bedeutung ist. Die Scheibenbremsen ermöglichen die Herstellung von leichteren Felgen, denn eine Verstärkung an den Bremsflächen ist nicht mehr notwendig: und je weniger Gewicht an der Peripherie des Rades, desto höher die Beschleunigung.

2) Wartung

Beide Systeme benötigen eine regelmäßige Wartung, um optimale Bremsung  und Sicherheit zu gewährleisten, egal ob Austausch der Bremsschuhe und Kabel oder Entlüftung der Bremsflüssigkeit und Erneuern der Beläge.

Aufgrund ihrer Einfachheit ist die Wartung des Scheibenbremsensystems weniger kompliziert, denn für den Austausch der Bremsbeläge sind keine speziellen Kenntnisse notwendig: einfach nur Sicherheitsbügel entfernen, alte Beläge herausnehmen, neue einlegen und Bügel schließen. Der Wechsel der Bremsflüssigkeit bzw. die Entlüftung, nachdem Luft eingetreten ist, dauert keine fünf Minuten, und normalerweise reicht es aus, dies einmal im Jahr vorzunehmen.

3) Lebensdauer

Angesichts der Felgenabnutzung bei herkömmlichen Bremsen, insbesondere bei Carbonfelgen mit hohem Profil, ist die Lebensdauer von Scheibenbremsen potentiell länger als die der Klotzbremsen.

Reibung, Überhitzung und Wartungsfehler können zu einer erhöhten Abnutzung der Bremsschuhe führen und sogar die Felgen zerstören, was besonders bei schnellen Abfahrten ein großes Risiko mit sich bringt. Das System der hydraulischen Scheibenbremsen ist im Vergleich dazu viel einfacher und bringt außerdem eine Verringerung der beweglichen Teile mit sich: Schrauben, Buchsen etc.

4) Montage

Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt, es sei schwieriger, im Fall einer Panne ein Rad mit Scheibenbremse aus- und einzubauen. Wir können jedoch bestätigen, dass die Arbeit praktisch identisch ist, eventuell nach einer kurzen Eingewöhnungsphase. Selbst mit den derzeitigen Steckachsen kann die Montage in der gleichen Zeit durchgeführt werden wie mit herkömmlichen Schnellspannern. Dazu kommt, dass die Steckachsen gegenüber den herkömmlichen Schnellspannern eine höhere Sicherheit und Steifigkeit bieten.

5) Schleifen

Das Schleifen der Bremsschuhe an der Felge gehört ebenfalls der Vergangenheit an, selbst wenn eine Speiche verloren gehen sollte oder das Rad dezentriert wird. Die meisten der derzeitigen Scheibenbremsen bieten die Möglichkeit, den Abstand zwischen Bremsbelägen und Scheibe einzustellen – wie zum Beispiel bei der Free Stroke von Shimano –, sodass jede Art des Schleifens und der Geräusche unterbunden wird. Wie bereits erwähnt wurde, bringt die Verwendung von Steckachsen eine deutliche Verbesserung der seitlichen Steifigkeit des Fahrrads mit sich.

Die Scheibenbremsen übertreffen aufgrund von Sicherheit, Wirksamkeit, Modulation, Bremskraft, Wartung, Fahrverhalten, Komfort, Verlässlichkeit und erneut Sicherheit die traditionellen Klotzbremsen deutlich.

Die Hydraulikbremse hat sich in vielen Bereichen bereits seit sehr langer Zeit durchgesetzt. Bei den Straßenrädern haben wir und viele andere Marken uns bisher auf die Dinge konzentriert, die das Rad schneller machen (Gewicht, Aerodynamik etc.), aber wir wissen, dass die Radfahrer auch andere Faktoren wertschätzen, wie zum Beispiel den Komfort.

Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wirksamere Bremsung, wie sie die Scheibenbremsen ermöglichen, ein großer Fortschritt. Lasst uns den Vergleich mit dem Mountainbike anstellen: Hier ist es bereits zwanzig Jahre her, dass wir zum ersten Mal von der Scheibenbremse für das MTB gehört haben (nach der V-Bremse und der hydraulischen Klotzbremse). Damals gab es durchaus Skeptiker, aber heute zweifelt niemand mehr an dieser Technik, und es gibt kein Mountainbike ohne Serienscheibenbremsen mehr.

Jede Veränderung benötigt eine gewisse Überwindung, aber wenn sie zum Guten ist, fällt sie viel leichter. Die Zeit ist gekommen, um die Sicherheit für den Radfahrer zu erhöhen, und das ist zweifellos eine große Investition in die Zukunft für alle Radliebhaber.

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