30 July, 2024
Die stetig wachsende Disziplin
Für manche von uns war Gravel auf die eine oder andere Weise schon immer da, doch noch nie zuvor war die Disziplin so relevant.
The Traka wurde vor sechs Jahren aus der Taufe gehoben und sorgte dafür, dass Girona als bereits etabliertes Gravel-Paradies einen Event der bekannten Gravel Earth Series bekam. Die Trails und Wege der Region, die atemberaubende Landschaft, ganzjährig angenehmes Wetter und eine ständig wachsende Radsportkultur stellten den Erfolg von Anfang an sicher.
Mit jeder Auflage zog der inzwischen international bekannte Event eine größere Zahl von Gravel-Enthusiast*innen an. Für abenteuerlustige Seelen wie für echte Entdecker*innen und sogar für jene, die schnell fahren wollen, stehen fünf unterschiedlich lange Strecken bereit, die allen etwas zu bieten haben und für jede Fahrerin und jeden Fahrer eine Herausforderung darstellen. Vor allem aber teilen alle dasselbe Mantra: die anderen Fahrer*innen und die Natur zu respektieren.
In diesem Jahr kam ein unerwarteter Faktor ins Spiel, der dem Rennen zusätzliche Würze gab: Pachamama selbst zeigte sich in all ihrer Macht. Mutter Natur kann sehr wild sein, und nachdem die Region montagelang mit Wassermangel zu kämpfen gehabt hatte, sah sich Girona in den Tagen vor The Traka mit nie dagewesenen Regenfällen konfrontiert. Das führte zu Streckenverhältnissen, die die Teilnehmer*innen so schnell nicht vergessen werden.
Zwar war der Regen den Einheimischen sehr willkommen, doch leider machte er die Strecke praktisch unfahrbar für eine neue, erstmals für dieses Jahr geplante Disziplin: The Traka Adventure, 560 km mit 10.000 Höhenmetern.
Isma López wurde vom 560 auf die 360-km-Strecke umgelegt und musste ihr Rad an die veränderten Bedingungen anpassen.
Mit der anfänglichen Verschiebung dieses Rennens, das schließlich abgesagt werden musste, war die Organisation in diesem Jahr ebenso gefordert wie die Teilnehmer*innen. Dem Team blieben nur 48 Stunden, um die unvorhergesehenen Probleme zu lösen und den Event so umzustrukturieren, dass das mit Vorfreude erwartete Traka 360 wie geplant stattfinden konnte.
Schlamm und Wasser erwarteten die Fahrer*innen am Freitagmorgen. In unterschiedlichsten Konfigurationen – vom puren Rennbike bis zur komfortablen, fahrstabilen Abstimmung – eroberte das Terra das anspruchsvolle Terrain und passte sich den schwierigen Bedingungen an. Leicht und agil, steif und aerodynamisch – dort draußen konnte man sich keinen besseren Begleiter wünschen!
Oft ist die Rede von der Ruhe nach dem Sturm – in Girona lief es jedoch anders. Zwar schien am nächsten Tag beim Traka 200 die Sonne, aber „Ruhe“ war nicht das richtige Wort, um die Geschehnisse jenes Samstagmorgens zu beschreiben. Profi-Athlet*innen aus dem Radsport und anderen Disziplinen stehen bei Events dieser Art immer öfter an der Startlinie und treiben das Tempo nach oben. Zum Glück hat auch unser Terra nichts dagegen, ab und zu etwas schneller bewegt zu werden. Man schaue sich nur die Rakete an, auf der Lukas Baum unterwegs war.
Zum Abschluss einer besonders unvergesslichen und epischen Auflage von The Traka wurden am Sonntag die kürzeren Distanzen gefahren. Auf den 50 und 100 Kilometern war der Untergrund deutlich trockener, und das wunderschöne Wetter sorgte im Sattel wie am Streckenrand für beste Stimmung. Die Atmosphäre war unglaublich, was nicht zuletzt der einladenden Community um den Event herum zu verdanken war.
Und das ist es dann auch so ziemlich! Ob man es als Herausforderung oder als Flucht sieht, als Traum oder als Wagnis – The Traka erweist sich immer mehr als ein Muss für alle Gravel-Fans und hat wieder einmal gezeigt, wie vielfältig und divers die noch junge Disziplin ist.
„Es war eine Achterbahn der Gefühle: schlammige Ebenen, steile Anstiege, Hitze, Kälte, Momente des Triumphs und Momente des Leidens. Es war mein erstes Abenteuer bei The Traka, und ich bin sehr froh darüber, es in dem Zeitlimit geschafft zu haben, das ich mir gesetzt hatte, und dabei so viel Erfahrung sammeln zu können!“ (Erika Bianchi.) Photo credits @andrea_pialo