Trail Tales – Build it and they will come

Dafydd Davis ist ein bescheidener Zeitgenosse. Ohne darauf angesprochen zu werden, hätte er sich wohl nicht als Pionier bezeichnet. Aber wenn er seine Geschichte erzählt, dann geht es um eine der wohl wegweisendsten Entwicklungen im Mountainbiking.

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre erlebte das MTB seinen ersten Boom. Doch obwohl der Sport immer beliebter wurde, mussten sich britische Radfahrer auf Straßen und Reitwegen austoben, viel mehr gab es für sie nicht.

„Und du warst also wirklich ein Pionier?”
„Ja, ich glaube so kann man das sagen. Ich glaube das war ich.“

Für die ersten Trails, die noch heute Teil des Coed-y-Brenin-Netzes sind, nahm er dabei im Prinzip nur leichte Verbesserungen an den alten Pfaden vor. Ein paar kleine Anpassungen hie und da, dazu einige Hinweisschilder. Es gab flowige Abschnitte, aber speziell mit Blick auf die Technik und die Geometrie der damaligen Bikes hatten die ersten Trails es auch fahrtechnisch durchaus in sich.

So erblickte das Trail Centre das Licht der Welt – und mit ihm eine neue Welle der MTB-Begeisterung in Großbritannien.

Was ist ein Trail Centre?

Seit diesen ersten Schritten in Richtung bewusst für dem MTB-Sport entwickelter Strecken hat sich das grundlegende Konzept eines Trail Centres kaum verändert.

Das Rezept: gut erreichbare, speziell für die Mountainbiker gebaute Strecken mit möglichst vielen Singletrails

Es gibt ausgeschilderte Runden mit eindeutigen Punkten für Start und Ziel. Strecken, die Bikern aller Skill-Level Spaß machen und ihnen eine willkommene Herausforderung bieten. Und dazu alles, was Mountainbiker wollen, vom Parkplatz über das Café bis zum Bikeshop – und natürlich gleichgesinnte Sportler.

All diese Dinge, die heute selbstverständlich für uns sind, hat sich irgendwer irgendwann mal ausgedacht und umgesetzt, von gut sichtbaren Markierungen an jeder Weggabelung bis zu dem Shop, bei dem du schnell noch einen Ersatzschlauch oder ein Sandwich kaufen kannst. Und so schnell, wie die Trails beliebter wurden, so schnell wuchs auch der Wunsch nach Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Die Geschichte wiederholt sich

Die Geschichte verläuft selten so geradlinig, wie wir das gerne hätten und wie wir sie später gerne wahrnehmen. So hat Dafydd zweifelsohne als einer der ersten Mountainbiker am Konzept des Trail Centres gearbeitet. Aber er war nicht alleine – zumindest nicht besonders lange.

Denn während Dafydd in Wales an den Trails arbeitete, machte sich weiter nördlich auch Rik Allsop die Hände dreckig. In den Wäldern von Mabie und Ae baute er MTB-Strecken und führte die gleichen Gespräche mit den schottischen Forstämtern, wie es Dafydd in Wales tat.

Fortschritt

Als wir Rick treffen, lehnt er im Türrahmen seines Bike Shops, gleich um die Ecke seiner ersten Trails in Mabie. Im Laden hinter ihm hütet er einen wahren Schatz an Radtrikots, manche noch aus dieser Pionierzeit des Mountainbikes. Neben einem Berg kaputter Schläuche hängt eine Karte der Trails von Drumlanrig, alle von Rik mit seinem kleinen Budget gebaut. Viele dieser Trails sind echte Handarbeit, die ausschließlich mit den Materialien gebaut wurden, die Rik vor Ort gefunden hat.

Wenn Rik eine seiner Geschichten erzählt, erinnert er an einen Downhill-Racer. Er lehnt sich zurück, konzentriert sich, schießt über die Startlinie und dann geht es los. Auch die Geschichten selbst erzählt er im Renntempo.

Aber wie sonst sollte er auch mehr als zwanzig Jahre voller spannender Erfahrungen in eine kurze Unterhaltung packen?

„Wir haben schon lange vor den Gesprächen mit den Förstern ein paar Trails gebaut. Erlaubt war das natürlich nicht, aber wir waren damals höchstens eine Handvoll Mountainbiker in dieser Gegend. Das war kein Vergleich zu der heutigen Situation. Ich glaube auch nicht, dass es diesen einen Moment gab, an dem wir gesagt haben: ‚Wir bauen ein Trail Centre‘. Wir haben einfach irgendwann verstanden, dass wir das Forstamt an Bord holen müssen, wenn wir langfristig so weitermachen wollten.“

Aber wie sonst sollte er auch mehr als zwanzig Jahre voller spannender Erfahrungen in eine kurze Unterhaltung packen?

Rik erzählt von einer steilen Lernkurve. „Im Vergleich zu heute haben wir damals so ziemlich alles falsch gemacht. Wir haben die Trails einfach nach unten gezogen, anstatt mit den Gegebenheiten des Geländes zu arbeiten. Aber das war uns egal, denn außer uns war da ja auch niemand. Wir haben es einfach ausprobiert. Das gab manchmal ordentliche Schmerzen.“

Doch schließlich erkannten sie, dass der perfekte Trail sich im Einklang mit dem Terrain den Hang hinabschlängeln muss. Praktischerweise dauert der Spaß so auch viel länger und du musst nicht ununterbrochen an den Bremshebeln ziehen.

Ein Teil der Landschaft

Es ist spannend zuzuhören, wenn Dafydd und Rik über die Trails sprechen, die sie gebaut haben. In ihren Worten liegt dabei die gleiche Leidenschaft, die gleiche Wertschätzung als Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit zu der Welt, in der sie ihre Trails bauen.

Beide beschränkten sich beim Bau ihrer Trails auf Materialien, die sie vor Ort gefunden haben und beide gingen so ressourcenschonend wie möglich vor. Denn auch wenn sie etwas ganz Neues erschufen, hatten sie ein gemeinsames Ziel: Einen Trail zu bauen, der wirkt, als hätte es ihn schon immer gegeben. Einen Trail, der als Teil der Landschaft um ihn herum mit dieser verschmilzt, anstatt sie zu durchschneiden. Oder wie Rik es auf den Punkt bringt:

Die Natur bietet uns Voraussetzungen, die wir selbst nie erschaffen könnten. Warum also sollten wir sie nicht nutzen?

„Es geht um den Flow, oder?“, fragt Rik, als er nach dem Wort für diese Mischung aus Ingenieurskunst, Wissenschaft, Kunst und ehrliche, harte Arbeit sucht, die den Bau eines Trails ausmacht. Die wahre Kunst dabei liegt darin, diesen Flow zu finden – und zwar unabhängig davon, ob der Untergrund besonders wurzelig oder felsig ist. Jeder Trail hat seinen eigenen Flow.

Und jeder Trail bietet nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Herausforderung. So als würde man in Hochgeschwindigkeit ein Puzzle zusammensetzen.

Moderne Bikes für historische Trails

In mancher Hinsicht sind die Trail Centre Drumlanrig und Coed-y-Brenin ganz anders als die Hunderte von Trail Centres, die sie geprägt haben. Trotz ihrer langen Geschichte bieten sie auch für moderne Mountainbikes spannende Herausforderungen. Es geht darum das perfekte Tempo und die richtige Linie zu finden. Welche die richtige Linie ist? Das hängt vor allem von der Erfahrung des Sportlers ab.

Noch weiter nördlich liegt Laggan mitten zwischen Fort William und Aviemore in einer der eindrucksvollsten Landschaften Großbritanniens. Mit Blick auf die vielen Abenteuer, die hier auf die Menschen warten, wirkt es fast schon merkwürdig, ausgerechnet hier ein Trail Centre zu erschaffen. Als Paul Masson hier den schwarzen Trail gebaut hat, folgte er dem Ansatz von Rik und Dafydd, die von der Natur gegebenen Voraussetzungen zu nutzen. Über große Felsplatten zieht sich der Trail den Hügel hinunter und bietet einen ganz besonderen, schwer erkämpften Flow.

Die Trails in Coed-y-Brenin und Drumlanrig haben sich seit ihrer Entstehung kaum verändert. Ganz im Gegensatz zu den Bikes, mit denen sie befahren werden. Moderne Mountainbikes erlauben den Sportlern im Trail Centre auf sichere Art Herausforderungen anzugehen, die sie auf ihren heimischen Trails kaum finden. Mancher Mountainbiker erkennt erst so, was mit einem Bike überhaupt möglich ist – und wozu er überhaupt fähig ist.

Diese Bikes haben Millionen Menschen den Zugang zum Mountainbiken erleichtert – ganz gleich ob geographisch, technisch oder mit Blick auf die wundervolle Welt dort draußen.

Dabei durften wir am eigenen Leib erfahren, dass die gleichen Trails, die Dafydd, Paul und Rik vor so vielen Jahren erschaffen haben, immer noch genauso viel Spaß und Herausforderung bieten wie damals. Ganz egal auf welchem Bike du unterwegs bist.

Community

Zurück zum Start: Was ist ein Trail Centre? Mit 25 Jahren Erfahrung geht es bei der Antwort auf diese Frage nicht mehr nur um die Definition eines Begriffs. Es geht um die Geschichte – und um die Zukunft. Es geht um den Spaß, den sie Millionen von Menschen gebracht haben. Es geht um überwundene Grenzen, um das Jauchzen und Lachen, um die Gespräche im Anstieg und das Wettrennen im Downhill. Es geht darum am Ende anzukommen und gleich wieder zur nächsten Runde zu starten.

Rik und Dafydd haben noch ein ganz besonderes Wort, um die Trail Centre zu beschreiben: Community. Denn Trail Centre heißt auch, dass sich an jedem verdammten und verregneten Sonntag eine Menschenmenge in dem riesigen Besucherzentrum in Coed-y-Brenin versammelt. Menschen die tropfen wie die nassen Hunde, während sie gemeinsam auf einen grandiosen Tag auf dem Bike anstoßen. Und Trail Centre heißt, dass Rik jeden Samstag für alle offene Familiy Rides anbietet, um schon wieder eine weitere Generation von Trail-Fans zu trainieren.

Denn Trail Centre heißt auch, dass sich an jedem verdammten und verregneten Sonntag eine Menschenmenge in dem riesigen Besucherzentrum in Coed-y-Brenin versammelt.

Und genau wie mit den Wegweisern in so vielen britischen Wäldern schließt sich auch damit ein Kreis. Das bedeutet natürlich auch, dass wir wieder am Start stehen. Also können wir doch eigentlich auch gleich noch eine Runde drehen, oder? Wer als Erster unten ist!

Finish

Was wir aus dieser Geschichte über den Anfang der Trail Centre in Großbritannien lernen? Zum Beispiel, dass jedes Abenteuer stirbt, wenn wir nur auf die Neinsager hören. Nehmt euch lieber die Zeit und lernt die Menschen kennen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Fahrt ihre Trails und ihr werdet verstehen, warum dieses besondere Hobby ihr Leben so sehr bereichert.

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